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Dienstag, 07.12.2010

Christoph Pruvost

Nach fünf Jahren Aufenthalt in Japan ist Christoph wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Thaiboxing.ch hat ihn zu seinem Auslandaufenthalt ausführlich und exklusiv interviewt.

Hallo Christoph, du warst ja längere Zeit in Japan wie lange genau warst du in Japan?
Ich reiste 2005 nach Japan und kehrte 2010 wieder zurück.

Was hat dich dazu bewegt nach Japan zu gehen um dort zu kämpfen.
Nachdem ich hier 12 Kämpfe bestritt, meinen letzten den ich gegen den viel erfahrenen Fabio Pinca verlor, wollte ich mal eine Kampfpause einlegen und mal ein bisschen in Asien herumreisen.

Was du hast 2005 gegen Fabio Pinca gekämpft?! Erzähl mal.
Damals hatte ich 11 Kämpfe bestritten, ich wurde nach Frankreich (Lyon) für einen Kampf eingeladen und wusste nicht genaue wer Fabio Pinca war.
Ich erfuhr es ziemlich Kurzfristig, genau gesagt im Ring als sie in mit 26 Kämpfen und seinen Titeln angesagt haben.

Wie verlief dann der Kampf?
Eigentlich sehr gut, Pinca war mir technisch überlegen aber ich konnte gute Treffer landen dank meines offensiven Stils. Ich verlor den Kampf nach Punkten.

Also war die letzter Kampf hier in Europa gegen einen sehr starken Kämpfer. Du wolltest es dann in Japan versuchen, warum?
Ich hatte Reiselust aber kein konkretes Ziel. Zu dieser Zeit hatte ich eine japanische Freundin die gerade nach Japan zurückgereist war. Ich wollte sie in Japan besuchen, dann wollte ich auch nach Thailand und eventuell sogar Indien reisen.

Wie es aussieht bist du aber nicht weiter als Japan gekommen.
Ja, es verlief alles ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte, meine Freundin verliess mich praktisch bei meiner Ankunft in Japan. Für mich brach dann eine Welt zusammen.
Dank der Hilfe eines Freundes der Verwandte in Japan hat, konnte ich diese Zeit besser durchstehen.
Er brachte mich in einer Jugendherberge unter, in der ich neun Monate lebte.

Neun Monate in eine Jugendherberge in Japan, wie war das?
Ich erlebte dort einige Sachen. Es wohnten Chinesen dort die sich ganz anders benehmen wie wir es uns gewohnt sind. Die Sauberkeit der Herberge liess oft zu wünschen übrig. Einmal lag sogar eine Tote Katze 3 Tage in einem Gang.

Wie konntest du dort dein Lebensunterhalt verdienen.
Ich jobbte zuerst als Barkeeper, später dann als Buchhalter und Tags durch trainierte ich in einem Gym, das Niveau im ersten Gym war aber nicht genügend um auf Profiniveau zu trainieren.
Sie waren aber so nett und gaben mir den Namen eines besseren Gyms, das Scramble Shibuya. Am Anfang wollten sie mich nicht, da sie dachten es gäbe Sprachprobleme usw.
Ich gab aber nicht nach und machte ihnen klar, dass ich kämpfen kann und wollte. Nach längerem verhandeln durfte ich mich dann dort einschreiben.
Am Anfang hatten sie mich unterschatzt, sie haben relativ rasch gemerkt dass ich Kämpferqualitäten besass.
Die Gagen der Kämpfe waren dann für mich ein guter Nebenverdienst.

Hat dir dann das Scramble Shibuya die Kämpfe organisiert?
Ja ich kämpfte unter ihrem Namen.

Wie viel Kämpfe hast du dann für dieses Gym ausgetragen?
Alle Kämpfe die ich in Japan habe ich unter dem Namen dieses Gym ausgetragen.

Wie viel Kämpfe waren es?
Ich bestritt 20 Kämpfe, 15 Siege dadurch 6 oder 7 durch K.O. und 5 Niederlagen.

Du wurdest ja Japanischer Meister in der Welterklasse (-66.68 Kg)
Ja, ich wurde Japanischer Champion der AJKF (All Japan Kickboxing Federation)

Also kickbox Champion?
Nein im AJKF wird nach thailändischen Regeln gekämpft.

Wie wurde das möglich?
Ich musste mich im Ranking nach oben kämpfen. Als ich 10er im Ranking war musste ich dann sofort gegen den zweit platzierten antreten.
Es war ein Schüler des renommierten Kämpfer Fujiwara. Ich verlor den Kampf durch K.O.
Danach verlor ich meine nächsten 2 Kämpfe nach Punkten. Es war eine wirklich Zeit harte für mich.

Wie hast du es dann an die Spitze geschafft?
Ich änderte meine Kampftaktik, ich ging nur noch auf K.O., offensiv mit Boxen, Ellebogen und Knien.
Durch diesen Kampfstil konnte ich viele meiner Kämpfe vorzeitig für mich entscheiden, erlitt durch diesen Stil aber auch selber einige Cuts.

Schlussendlich hat dir dieser Stil an die Spitze gebracht.
Ja, auch beim Titelkampf war diese Taktik erfolgreich.
Es war ein harter Kämpfer. Yuya Yamamoto der aus dem K1-Max bekannt ist, hielt meinem Druck während 5 Runden durch. Er stand immer wieder auf, bis dann in der fünften Runde der Kampf wegen eines Cut oberhalb seines Auge gestoppt werden musste. Ich erlitt eine Verletzung am Ohr und trug auch einen Cut am Auge davon.

Was war das für ein Gefühl Japanischer Meister zu sein?
Eine Irre Sache, vor allem wenn man weiss, dass zuvor bekannte Kämpfer wie Yamamoto, Masato und Sato diese Titel trugen. Sie trugen den genau gleichen Gurt wie ich. Den Gurt durfte ich nicht in die Schweiz mitnehmen ich durfte auch kein Duplikat herstellen. Man darf diesen Gurt nur solange besitzen wie man Champion ist.

Es ist also ein Wandergurt
Ja, und dass macht diesen Gurt so Speziell und diesen Gurt in Besitz gehabt zu haben ist eine riesen Ehre für mich.

Wie ging es dann weiter, wolltest du nicht auch wie all deine Vorgänger ins K1-Max?
Nein, ich entschied mich weiter, im Muay Thai Stil zu kämpfen und gegen Thais anzutreten.

Hast du in dem Fall in Japan gegen Thais gekämpft?
Ja, nach dem Titelkampf trat ich nur noch gegen Thais an

Gegen was für Thais bist du angetreten?
Der Erste war Khungthap Weerasaklek. Ich besiegte ihn knapp nach Punkten.
Der Zweite war Chokchalam amtierender WPMF Weltmeister. Der Thai wog 72 Kg ich wog nur 68 Kg. Der Kampf war extrem hart, ich gewann zwar nach Punkten aber trug einen grossen Cut davon und meine Schaufelzahn brach in der vierten Runde ab.
Der Dritte war der wohl härteste Kämpfer denn ich je hatte. Es war Narupol Fairtex, der schon damals international sehr renommiert war. Narupol ist wirklich stark, er traf mich immer wieder mit sehr harten Kick in den Rücken. Ende der fünften Runde wurde ich dann ausgezählt.
Der Vierte Gangsuan Sor Srisrapa, Rajadamnern Champion. Diesen Kampf verlor ich dann nach Punkten, ich kämpfte nicht mehr so risikofreudig wie sonst, da ich keinen Cut mehr einfangen wollte.
Nach diesen harten Kämpfen wollte ich zurück nach Europa. Ich fühlte mich ausgebrannt und brauchte eine Pause.

Hast du das den auch gemacht?
Die Japaner, wollten mich nicht mehr gehen lassen. Sie meinten ich hätte doch schon so viel erreicht. Es war schon ziemlich bewegend, zu sehen dass die selben die mich am Anfang nicht aufnehmen wollten, mich plötzlich nicht mehr gehen lassen wollten.
Sie boten mir dann einen Superfight in den USA (Kalifornien) an. Ich sollte gegen Malaipet antreten.

Malaipet ist ein sehr bekannter Kämpfer, man kennt ihn aus der Superleague und sonstigen hochkarätigen Galas.
Ja, das motivierte mich und ich nahm diesen Kampf dann auch an.

Du hast ihn besiegt, erzähl wie du das gemacht hast.
Ich ging sehr motiviert in den Kampf. Am Vorabend hatte ich noch erfahren, dass es sich um einen Titelkampf eines Amerikanischen Muay Thai Verbandes handelte.

Im Ring war ich sehr entschlossen. Malaipet ist ein sehr routinierter Kämpfer, ich liess mich von seinen Farsen nicht beeindrucken und blieb offensiv. Ich merkte, dass er mit dem Druck nicht klar kam und traf immer wieder mit guten Schlägen. Wir kämpften nach originalen Thairegeln. Meine Ellebogen kamen immer wieder ans Ziel aber er scheint eine sehr robuste haut zu haben. Er überstand den Kampf ohne Cuts.

Ich wusste dass ich gewonnen hatte, zweifelte aber dass sich die Richter für mich entscheiden da das ganze Publikum auf seiner Seite stand und er eventuell ein Heimbonus hätte. Wir warteten etwa 10 Minuten auf das Urteil, die Punktrichter entschieden sich aber schlussendlich mit einem Punkteurteil von 2:1 für mich.

Wie ging dann deine Karriere in Japan weiter?
Der Kampf gegen Malaipet war mein letzter Kampf unter dem Japanischen Team.
Ich kehrte ein Tag nach meinem Kampf zurück nach Japan und musste nach einem Tag Aufenthalt in Japan zurück in die Schweiz reisen.
Ich hatte nicht genug Zeit um mich richtig von meinen Japanischen Freunden zu verabschieden. Nachdem ich solange dort gelebt und viel mit ihnen erlebt hatte, war es wirklich hart, sich in so kurzer Zeit zu verabschieden. Ich habe mir vorgenommen bald wieder mal nach Japan zurück zu kehren meine Freunde zu besuchen. Ich bin ihnen sehr dankbar für alles was sie für mich getan haben.

Wie geht nun deine Karriere hier in Europa weiter:
Weiss es noch nicht, ich muss mich zuerst wieder hier einleben. Ein Job finden und in den Schweizerischen Alltag einleben.

Wirst du wieder kämpfen?
Weiss es noch nicht, es kommt auf die Kampfangebote und Herausforderungen an.

Christoph, ich bedanke mich sehr für das Interview, es war sehr interessant über deine Erlebnisse in Japan zu hören!
Ich bedanke mich bei dir.




 
Leonardo
Leonardo
Leonardo
Poster
Poster
Poster
Pruvost VS Narupol
Pruvost VS Narupol
Pruvost VS Narupol
Pruvost VS Yaya Yamamoto
Pruvost VS Yaya Yamamoto
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